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Mittwoch, 2. November 2011

Neues aus der Anstalt -äh, sorry aus Fukushima

By Stefan-Xp (Own work) [GFDL (www.gnu.org/copyleft/fdl.html)
or CC-BY-SA-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)],
via Wikimedia Commons

Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei Tepco in Fukushima nichts gelernt. Zumindest nicht was die Kommunikationspolitik angeht.

Seit Monaten versorgt man uns nun mit Grafiken und Bildchen, die beweisen sollen, in Fukushima ist alles bestens. Es werden Videos von Roboterfahrten ins Netz gestellt, alles nach dem Motto, seht her, alles gut. Seit mehren Monaten ist Tepco offiziell im Zeitplan, was das unter Kontrolle bringen der Anlage angeht.

Und nun die heutige Nachricht: „Unkontrollierte Kernspaltung in Fukushima II befürchtet.“ Nach Aussage Tepcos sei aber Alles nicht so schlimm. Irgendwie bin ich da dann doch ein wenig skeptisch.

Wie kann eine „unkontrollierbare“ Kernspaltung gar nicht so schlimm sein? Wenn sie unkontrollierbar ist, bedeutet das, dass der Mensch keinen Einfluss auf die Vorgänge in der Reaktorruine hat. Er kann nur das ganze Ding kühlen. Er kann die Kettenreaktion nicht zum Erliegen bringen, er kann sie nicht steuern, er kann sie nicht verlangsamen. Er kann nur zuschauen und hoffen, dass die Kühlung ausreicht.

Was mich „brennend“ interessieren würde, ist, ob bekannt ist, wie lange die Kettenreaktion mit dem vorhandenen Brennstoff denn noch anhalten kann. Ich fürchte bei dieser Rechnung können schlimmstenfalls einige Jahre herauskommen, in denen man ein Notkühlsystem aufrecht erhalten muss. Jahre in denen man hoffen muss, dass sich das Zeug nicht weiter durch das Gebäude frisst. Keine sehr beruhigenden Aussichten.

Was allerdings eine Unverschämtheit ist, ist die Tatsache, dass Tepco das jetzt als neu verkauft. Kann es sein, dass Tepco die Kernspaltung in Block 2 mehrere Monate übersehen hat? Unwahrscheinlich. Kann es sein, dass die Kernspaltung plötzlich wieder aufgeflammt ist, nachdem sie mehrere Monate zum Erliegen kam? Auch unwahrscheinlich.

Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass diese Neuigkeit nun am 02. November veröffentlicht wurde. Bis Jahresende ist noch eine Menge Zeit. Wollte man die Öffentlichkeit schonmal darauf vorbereiten, dass die Anlage bis Jahresende nicht unter Kontrolle zu bringen ist? Dann bleibt die spannende Frage, was wohl noch Alles in Fukushima los ist. Wir werden es vielleicht nie erfahren.

Sonntag, 19. Juni 2011

Umwelt: Atomausstieg – scheitert die Wende doch noch?



Wie Reuters berichtet, plant die Atomindustrie Verfassungsklage gegen die Energiewende http://bit.ly/mpOveA. Offensichtlich planen die Stromkonzerne, die Atom-Novelle per Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zu Fall zu bringen. Es wird spekuliert, dass die Stromkonzerne auf einen jahrelangen Prozess spekulieren um hinterher milliardenschwere Schadensersatzforderungen zu stellen.

Das Aktiengesetz zwinge die Konzerne dazu, solche Ansprüche zu prüfen, da die Eigentumsrechte der Anteilseigner gewahrt werden müssten sagte ein Insider. Offensichtlich liegen den Stromkonzernen Gutachten vor, die die Chance für eine Klage als relativ gut bewerten.

Eventuell ergeht die Entscheidung des BVG erst in der nächsten Legislaturperiode, dann könnte Fukushima lange genug vorbei sein, und sich die politische Lage soweit geändert haben, dass der Ausstieg vom Ausstieg des Ausstieges möglich wird. Immerhin es hat ja schon einmal geklappt.

Das Vorgehen der Stromkonzerne bietet viel Raum für Spekulationen und zeigt, dass der Atomausstieg noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Die Demonstrationen sind auch nach dem Ausstiegsbeschluss immer noch gerechtfertigt. Der endgültige Atomausstieg ist erst dann sicher, wenn das letzte KKW vom Netz ist und der Rückbau begonnen hat.

Umwelt – Fukushima und kein Ende

Es ist ruhig geworden um Fukushima. Während man in den ersten Wochen den Meldungen aus der Reaktorruine nicht entgehen konnte, wurde es nun ruhig. EHEC und andere Themen beherrschte die Nachrichten in der letzten Zeit und verdrängt die unverminderten Hiobsbotschaften aus Fukushima aus den Schlagzeilen zu Randnotizen.

Man könnte meinen, das Problem sei gelöst, immerhin ist man immerhin schon dabei das Wasser aufzubereiten. Weit gefehlt. Die Reaktoren in Fukushima sind seid dem Erdbeben  außer Kontrolle und müssen extern gekühlt werden um schlimmeres zu vermeiden. Bisher bedeutet das nur, dass man verhindern konnte, dass die radioaktive Schmelze der Brennstäbe sich weiter durch die Ruinen frisst. Das bedeutet nicht, Alles ist unter Kontrolle und schon gar nicht Alles ist gut.

Derzeit wird immer noch von außen Wasser in die Reaktoren gepumpt. Dieses Kühlwasser kommt anscheinend direkt mit hoch radioaktiven Substanzen in Berührung. Dies hat zur Folge, dass radioaktive Stoffe sich in dem Kühlwasser befinden. Derzeit befinden sich 110.000 Tonnen verseuchtes Wasser in den Ruinen. Dort stört es offensichtlich ungemein. Es ist teilweise so radioaktiv, dass mehrere Arbeiter, die vor Wochen aus Versehen in der Brühe standen, mit Verbrennungen in eine Klinik kamen. Das Wasser hindert die Arbeiter am Betreten der Ruine und verzögert so die Arbeiten. Hinzu kommt, dass das Wasser irgendwann ins Meer, oder noch schlimmer ins Grundwasser läuft.

Die Lösung des Problems ist, wieder einen geschlossenen Wasserkreislauf herzustellen. Dazu muss das Wasser gereinigt werden und soll danach wieder zur Kühlung eingesetzt werden. Offensichtlich gibt es dabei Probleme. Eine Filtereinheit habe bereits nach wenigen Stunden die maximale Strahlenhöhe erreicht.

Die gute Nachricht, die Reinigung des Wassers scheint zu funktionieren. Die schlechte ist, offensichtlich ist die radioaktive Belastung viel höher als angenommen. Das kann, wie TEPCO behauptet, davon kommen, dass beim Abpumpen des Wassers radioaktive Sedimente mit angesaugt wurden. Das wäre eine logische Erklärung und die einzige, die den Reinigungsprozess nicht völlig unmöglich macht. Immerhin benötigt es nun mehrere Tage das verstopfte Element zu wechseln. Vorsorglich lies TEPCO verlauten, sollte es nicht binnen einer Woche gelingen, den Reinigungsprozess wieder aufzunehmen, kommt es wieder Kapazitätsproblemen bei der Zwischenlagerung des kontaminierten Wassers.

Sollte es jedoch so sein, dass die Brühe derart hoch verstrahlt ist, dass man sie nicht mehr filtern kann, dann wird es entweder unmöglich die Reaktoren zu kühlen oder das Wasser muss ins Meer abgepumpt werden.

Derzeit bleibt nur zu hoffen, dass es so ist, wie TEPCO vermutet und sie die Reinigung schnellstmöglich wieder in Gang bekommen. Allerdings werden dann die gravierenden Problem kommen, wenn das Wasser weg ist. Dann bleiben in den Kellern der Anlage riesige Mengen radioaktiver Sedimente zurück, die entsorgt werden müssen bevor Menschen dort arbeiten können.

Machen wir uns nichts vor, auch wenn wir hier in den Nachrichten nur noch Randnotizen hören, Fukushima wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Von Kontrolle jedenfalls scheint diese Atomruine noch weit entfernt zu sein.