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Mittwoch, 30. November 2011

Wie im Mittelalter – Der Klimastreit



Der Streit um die Existenz und die Ursachen des Klimawandels wird mit einer Leidenschaft geführt, die an das finstere Mittelalter erinnert. Nur stritt man sich da um die Frage, ob die Erde rund sei. Gott sei Dank droht auch keiner Seite mehr der Scheiterhaufen, aber so besonders wissenschaftlich geht es dann auch nicht zu.

By Viola sonans (Own work) [CC-BY-SA-2.0-de
Sicher ist, allen vorhandenen Klimamodellen ist gemeinsam, dass sie noch unbewiesen sind. In sofern besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich die Modelle, die einen rasanten Anstieg der Erdtemperatur voraussagen als falsch erweisen. Und eine gesunde Skepsis vor allen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist angebracht. Allerdings, darf Skepsis nicht in unwissenschaftliche Arbeitsweise und dem Leugnen von Ergebnissen münden.

Bereits zum vierten Mal fand am Wochenende, pünktlich vor der Weltklimakonferenz, in München die „Internationale Konferenz über Klima und Energie“ statt. Schnell merkte der unvoreingenommene Besucher, es geht hier nicht um Zweifeln, es geht um Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse. Da werden allumfassende Theorien vorgestellt, die vom Schneesturm bis zum Vulkanausbruch alle nur denkbaren Katastrophen vorhersagen können. Da wird die Klimadiskussion mit dem Christentum, der Emissionshandel mit dem Ablasshandel verglichen. Kurz um, der einzige Beitrag, den diese Veranstaltung zum Weltklima leistet, besteht in der Produktion des CO2 das bei der Anreise der Beteiligten entstand.

Gerade weil viele der Theorien, die zu den heutigen Klimamodellen geführt haben, noch nicht letztendlich geklärt sind, bedarf es einer gesunden Skepsis der Beteiligten. Allerdings, sollte man erwiesene Fakten auch als solche ansehen. Für den Laien ist es unmöglich, Klimamodelle in ihrer Komplexität nachvollziehen zu können um so mehr sollte er sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen.

Auch wer nicht an den Klimawandel von Menschenhand glaubt, kann die Möglichkeit dessen nicht leugnen. Bei den gravierenden Auswirkungen, die auch nur 2 Grad Erderwärmung ausmachen, tun wir gut daran, unser Menschenmögliches zu tun, unseren Einfluss gering zu halten.

Ein so unwissenschaftlich geführter Streit, wie der, um den Klimawandel, hilft weder der Wissenschaft, noch der Menschheit. Solch ein Streit gehört in die Kirche, denn er ist eine Glaubensfrage, nicht auf eine Weltklimakonferenz. Wir tun gut daran, den Glauben aus der Forschung herauszulassen, täten wir es nicht, stritten wir immer noch darum, ob die Erde nun rund ist, oder nicht.

Anderer Meinung? Klasse! Wir freuen uns über Kommentare

Dienstag, 29. November 2011

Durban – Auf der Suche nach irgendeinem Kompromiss

CC-BY-SA-3.0 Durban Skyline
Die Erwartungen an die Klimakonferenz in Durban (Südafrika) sind mehr als bescheiden. Doch schon am ersten Tag geht die händeringende Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner los.



Der Klimawandel hat längst eingesetzt, sind sich die Experten einig, die den Klimawandel nicht gänzlich leugnen. Trotz immer offensichtlicherer Auswirkungen, setzt sich die Erkenntnis, dass die Zeit drängt, nur langsam durch.



Greenpeache fordert schon am zweiten Tag von den Verhandlungsteilnehmern notfalls auch ohne die USA und China ein Abkommen zu treffen, wohl wissend, dass das Abkommen ohne die Hauptverursacher kaum Wirkung zeigen wird. Allerdings ist jedes Abkommen besser, als kein Abkommen und würde ein Zeichen der Emanzipation an die USA und China senden.



Die Forderung von Greenpeace, nach einem Abkommen, notfalls ohne die USA, zu einem so frühen Punkt in den Verhandlungen zeigt nur zu gut, wie groß die Angst vor einem endgültigen Scheitern in der Klimapolitik ist. Wir werden bis zum 09. Dezember sehen, was am Verhandlungstisch möglich ist.



Anderer Meinung? Klasse, nutzen Sie die Kommentarfunktion. Wir freuen uns.

Weltklimagipfel in Durban – worum geht es eigentlich?

Der 17. Weltklimagipfel in Durban (Südafrika) ist in aller Munde. Doch worum geht es denn konkret? Vom 28 November bis 09. Dezember findet in Durban der diesjährige Weltklimagipfel statt. An ihm werden ca. 15.000 Delegierte aus 194 Staaten teilnehmen. Ziel ist es, zu beschließen, ob und wie das Kioto-Protokoll fortgeschrieben wird. Das Kioto-Protokoll ist das Ergebnis des Weltklimagipfels in Kioto und das bislang einzige völkerrechtlich verbindliche Instrument zur Regulierung der Erderwärmung. Um dies zu erreichen, werden verbindliche Werte zum Ausstoß der Treibhausgase der Industrieländer festgeschrieben. Die USA haben das Protokoll nicht ratifiziert.


CC-BY-SA-3.0 Teilnehmer des Kioto-Protokolls
Auf dem Kioto-Protokoll basiert unser Handel mit CO2 Emissionsrechten. Der Staat vergibt auf Basis des Protokolls Emissionsrechte. Die Industrie muss, will sie CO2 in die Atmosphäre ausstoßen diese Rechte kaufen. So wird die Verschmutzung der Umwelt mit Kosten belegt und es entsteht ein Anreiz CO2 sparende Techniken zu entwickeln.



Das Kioto-Protokoll regelt den Ausstoß der Treibhausgase bis Ende 2012. Nach dem Fiasko von Kopenhagen im Jahr 2009, wurden die Verhandlungen im letzten Jahr im mexikanischen Cancún weitergeführt. Der Gipfel in Cancún endete, dank der klugen und diplomatischen Verhandlungsführung der mexikanischen Gastgeber mit einem Minimalkompromiss, nämlich das Kioto-Protokoll bis 2012 fortzusetzen. Darüber hinaus beschloss man ein Waldschutzprogramm und einen Hilfsfonds für Entwicklungsländer.



Die Hoffnungen auf greifbare Ergebnisse bei den Verhandlungen in Durban sind allerdings sehr begrenzt. Die Kommentatoren rechnen, wie wir auch, in unserem Artikel „Was wir von Durban erwarten können“ mit wenig stichhaltigen Ergebnissen. Ein umfassendes Klimaschutzabkommen liegt in weiter Ferne.



Unter den Teilnehmern gibt es nach wie vor Bremser und Vorreiter beim Klimaschutz. Die USA hat beispielsweise das Kioto Protokoll noch nicht unterzeichnet. Aber auch China und Indien sollen mit ins Boot geholt werden, macht ein Klimaschutz ohne diese Staaten doch keinen Sinn mehr.



In Durban sollen ein so genannter "Grüner Klimafonds" beschlossen werden sowie ein Verhandlungsfahrplan bis 2015 oder 2020. Der "Grüne Klimafonds" soll armen Ländern bei Investitionen in den Klimaschutz unterstützen.



Ziel ist es, die USA, China und Indien zu überzeugen, einem verbindlichen Verhandlungsfahrplan zuzustimmen. Die USA stehen internationalen Verpflichtungen so lange skeptisch gegenüber, bis für sie wirtschaftliche Vorteile daraus erwachsen und der Hauptkonkurrent China nicht mit eingebunden ist. Peking wiederum scheut internationale Verpflichtungen, ähnlich wie Indien, Brasilien und Südafrika, fürchten diese Staaten doch um ihre wirtschaftliche Entwicklung. Dem gegenüber stehen die EU und Länder wie Norwegen, die Schweiz, oder auch Neuseeland und Australien. Ihr Ziel ist es, ein zweites Kioto ins Leben zu rufen.



Gefällt Ihnen der Artikel? Für Anregungen und Kritik nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion!

Montag, 28. November 2011

Die Weltklimakonferenz in Durban und was wir von ihr erwarten können.

Vom 28.11.2011 bis zum 9.12.2011 findet in Durban die Weltklimakonferenz statt. Bundesumweltminister Röttgen wird ab 05.12.2011 an der Konferenz teilnehmen. Der Kampf gegen den Klimawandel kann nur gelingen, wenn alle Staaten an diesem Ziel gemeinsam arbeiten.

By Siemens AG CC-BY-SA-3.0
Zum heutigen Auftakt der 17. Weltklimakonferenz in Durban, Südafrika, erklärt Bundesumweltminister Norbert Röttgen: „Wir können den Klimawandel nur dann wirksam begrenzen, wenn sich alle großen Verschmutzer daran beteiligen und sich zu wirksamen Reduktionen verpflichten. Leider sind die USA, China, Indien und andere Schwellenländer aus politischen oder ökonomischen Gründen dazu nicht oder noch nicht bereit. Der Klimaschutzprozess ist in einer schwierigen Situation. Doch selbst wenn es mühsam ist: Der Klimaschutzprozess ist ein Marathonlauf, bei dem jeder Schritt der Mühe wert ist. Auch Durban wird uns hoffentlich ein Stück voranbringen.“

Der Klimaschutzprozess ist derzeit in einer schwierigen Phase. Weltweit steigen die CO2 Emissionen, obwohl einige Länder Massnahmen zu deren Verminderung ergreifen. Das Wachstum der Schwellenländer hat ein Stadium erreicht, in dem bereits mehr als die Hälfte der CO2 Emissionen von dort ausgeht.

Diese Länder sind nicht in der Lage klimafreundliche Technik einzusetzen, weil diese entweder nicht verfügbar, oder unerschwinglich ist.

Anders sieht es bei den größten Produzenten des Klimakillers aus. Weder die USA noch China sind willens, ihren CO2 Ausstoß zu reduzieren. Hier siegen kurzfristige wirtschaftliche Interessen über ökologische Vernunft.

Der Pegel der Weltmeere steigt langsam, es kommt zu Sturmfluten, die die Ärmsten der Armen treffen werden. Während die USA noch einige Jahre gegen den Klimawandel mit Küstenschutzprojekten ankämpfen kann, wird Bangladesh schnell von der Landkarte verschwunden sein. Die globalen Auswirkungen des Klimawandels sind regional unterschiedlich spürbar, sodass sie noch lange geleugnet werden können.

Was können wir von Durban erwarten?

Die Interessenlagen der teilnehmenden Nationen ist sehr unterschiedlich, während die Schwellenländer einen gewaltigen Nachholbedarf in der technischen Entwicklung haben, ist in den USA oder in China das Bewusstsein für aktiven Klimaschutz nicht vorhanden. So lange die wirtschaftlichen Interessen der Großmächte nicht akut gefährdet sind, wird sich Nichts verändern. Wir können nur hoffen, dass dann der Point of no return nicht längst überschritten ist. In sofern sollten wir die Erwartungen an die Weltklimakonferenz nicht zu hoch stecken. - Dann ist die Enttäuschung hinterher auch nicht so groß.

Strahlengrenzwerte in Gorleben überschritten

Laut einer Meldung der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg beträgt die Strahlung am Zwischenlager Gorleben nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg 0,294 Milli-Sievert pro Jahr (mS/a). Damit läge der errechnete Wert über dem Eingreifwert von 0,27 mS/a.

Ab dem Erreichen des Eingreifwertes sind alle weiteren Einlagerungen in das Zwischenlager Gorleben zu unterlassen. Der Grenzwert für den Betreib des Lagers liegt bei 0,3 mS/a. Dieser Grenzwert wurde beinahe erreicht.

Das bedeutet, nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg ist die Kapazitätsgrenze des Zwischenlagers erreicht.

Sollte diese Meldung den Tatsachen entsprechen, würde dies bedeuten, dass alle Castoren, die auf dem Weg ins Zwischenlager sind, dort nicht eingelagert werden dürften. Sie müssten dann in ein anderes Zwischenlager umgeleitet werden.

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg war bisher nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Dienstag, 8. November 2011

Sandoz Chemieunfall jährt sich zum 25. Mal


Nie wieder blutroter Rhein

Quelle Spiegel Online (DPA)
Vor 25 Jahren, am 01. November 1986, ereignete sich einer der größten, von Menschenhand verursachten Chemieunfälle in der Geschichte Europas. Bei einem Großbrand auf dem Gelände des Basler Chemieunternehmen Sandoz liefen 20 Tonnen pestizidverseuchter Löschschaum in den Rhein. Er verursachte auf 400 Kilometer Länge eines der größten Fischsterben des Rheines. Fast die gesamte Aalpopulation ging zugrunde. In Erinnerung an diesen Unfall veranstalten die Bundesumweltministerium (BMU), Umweltbundesamt (UBA) und die United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) am 07. November 2011 einen internationalen Workshop zum Risikomanagement bei gefährlichen Anlagen.

Die Sandoz Katastrophe begann, als in einem Lagerhaus auf dem Gelände des Unternehmens 1350 Tonnen hochgiftige Chemikalien in Brand gerieten. Das eingesetzte, mit Chemikalien verseuchte Löschwasser lief ungehindert in den Rhein. So gelangten 20 Tonnen hochgiftige Pestizide in den Fluss und lösten auf 400 Kilometern Länge ein gewaltiges Fischsterben aus. Die Niederlande gewinnen einen Teil ihres Trinwassers aus dem Uferfiltrat des Rheines. Auf Grund der Verseuchung kam es hier zu Versorgungsengpässen.

Obwohl sich das Unglück direkt an der deutsch – schweizerischen grenze zutrug, konnten die deutschen Behörden lange Zeit nur zusehen. Es gab weder einen grenzüberschreitenden Informationsaustausch noch die Möglichkeit Amtshilfe zu leisten.

Aus dem Unfall wurden Lehren gezogen: Es wurden nationale und internationale Regelungen zum Risikomanagement getroffen. Wichtig sind vor allem die Störfallverordnung (StörfallV) sowie die Seveso-II-Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft, die zur Beherrschung der Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen dienen.

Während in europäischen und nordamerikanischen Flusseinzugsgebieten effiziente Regelungen zum Risikomanagement getroffen wurden, ging die Belastung der Gewässer durch Chemieunfälle drastisch zurück. Im Falle des Rheins sogar um 99 Prozent. In anderen Flusseinzugsgebieten der Flüsse im Verantwortungsgebiet der UNECE, die teilweise bis in die Gebiete der ehemaligen UdSSR und Asiens reichen, ist eine gegenläufige Entwicklung zu verzeichnen. Gleichzeitig sind zwischenstaatliche bzw. internationale Frühwarn-Systeme noch nicht oder nur in Ansätzen etabliert.

Ursachen dieser Entwicklungen sind unter Anderem mangelhafte Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren in den zuständigen Anrainerstaaten. In Europa und Nordamerika geht es vor allem darum, die erreichten Fortschritte zu sichern, so Flasbarth, Präsident des UBA. Hierzu müssen auch personelle Kapazitäten erhalten bleiben und sicherheitstechnische Standards auch in angrenzende Gesetzesbereiche ausgebaut werden. Regelmäßige Störfall-Übungen zwischen benachbarten Staaten sind zur Absicherung unentbehrlich.

Mittwoch, 2. November 2011

Neues aus der Anstalt -äh, sorry aus Fukushima

By Stefan-Xp (Own work) [GFDL (www.gnu.org/copyleft/fdl.html)
or CC-BY-SA-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)],
via Wikimedia Commons

Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei Tepco in Fukushima nichts gelernt. Zumindest nicht was die Kommunikationspolitik angeht.

Seit Monaten versorgt man uns nun mit Grafiken und Bildchen, die beweisen sollen, in Fukushima ist alles bestens. Es werden Videos von Roboterfahrten ins Netz gestellt, alles nach dem Motto, seht her, alles gut. Seit mehren Monaten ist Tepco offiziell im Zeitplan, was das unter Kontrolle bringen der Anlage angeht.

Und nun die heutige Nachricht: „Unkontrollierte Kernspaltung in Fukushima II befürchtet.“ Nach Aussage Tepcos sei aber Alles nicht so schlimm. Irgendwie bin ich da dann doch ein wenig skeptisch.

Wie kann eine „unkontrollierbare“ Kernspaltung gar nicht so schlimm sein? Wenn sie unkontrollierbar ist, bedeutet das, dass der Mensch keinen Einfluss auf die Vorgänge in der Reaktorruine hat. Er kann nur das ganze Ding kühlen. Er kann die Kettenreaktion nicht zum Erliegen bringen, er kann sie nicht steuern, er kann sie nicht verlangsamen. Er kann nur zuschauen und hoffen, dass die Kühlung ausreicht.

Was mich „brennend“ interessieren würde, ist, ob bekannt ist, wie lange die Kettenreaktion mit dem vorhandenen Brennstoff denn noch anhalten kann. Ich fürchte bei dieser Rechnung können schlimmstenfalls einige Jahre herauskommen, in denen man ein Notkühlsystem aufrecht erhalten muss. Jahre in denen man hoffen muss, dass sich das Zeug nicht weiter durch das Gebäude frisst. Keine sehr beruhigenden Aussichten.

Was allerdings eine Unverschämtheit ist, ist die Tatsache, dass Tepco das jetzt als neu verkauft. Kann es sein, dass Tepco die Kernspaltung in Block 2 mehrere Monate übersehen hat? Unwahrscheinlich. Kann es sein, dass die Kernspaltung plötzlich wieder aufgeflammt ist, nachdem sie mehrere Monate zum Erliegen kam? Auch unwahrscheinlich.

Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass diese Neuigkeit nun am 02. November veröffentlicht wurde. Bis Jahresende ist noch eine Menge Zeit. Wollte man die Öffentlichkeit schonmal darauf vorbereiten, dass die Anlage bis Jahresende nicht unter Kontrolle zu bringen ist? Dann bleibt die spannende Frage, was wohl noch Alles in Fukushima los ist. Wir werden es vielleicht nie erfahren.

Samstag, 2. Juli 2011

„Verschlossene Auster“ geht an Stromkonzerne

Der Negativpreis verschlossene Auster wird seit 2002 von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche e.V. für Informationsverweigerer aus Politik und Wirtschaft verliehen.

Im Jahr 2011 geht dieser Negativpreis an die Energiekonzerne RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON. Damit befinden diese Preisträger sich in einer unrühmlichen Reihe mit der katholischen Kirche (2010) oder Wladimir Putin (2007). Quelle

Zur Begründung hieß es: Die Unternehmen hätten beschönigt, verheimlicht und beeinflusst. Bisher wurde der Preis dafür verliehen, dass die Öffentlichkeit nicht oder nur unzureichend informiert wurde. Die diesjährigen Preisträger erhalten den Preis jedoch explizit für das Verschweigen von Unfällen, die Verharmlosung von Gefahren, gefährliche, einseitige. marktmächtige Information und exzessiven Lobbyismus verliehen.

Dies nahmen die Energiekonzerne als Anlass zu Kritik. Offensichtlich seien, so E.ON Kommunikationschef Guido Klatt, alle Vergabekriterien über Bord geworfen worden. Die Stromkonzerne hätten den Preis auf „Teufel komm raus“ erhalten sollen. Er nehme daher den Preis entgegen, er nehme ihn nicht an.Quelle

Die Begründung zur Verleihung des Preises trägt jedoch der Tatsache Rechnung, dass Falschinformation häufig gefährlicher ist, als fehlende Information.

Konkret bekommen die Stromkonzerne den Preis für das Verschweigen von Unfällen, die so sie dennoch kommuniziert werden als Störfälle bezeichnet werden.

Am 06. September 2010 schlossen die Stromkonzerne im Kanzleramt morgens um 5:45 Uhr in aller Heimlichkeit den Vertrag im Kanzleramt zur Laufzeitverlängerung. In aller Heimlichkeit deshalb, weil noch nicht mal der Vorsitzende der CDU/CSU Fraktion war informiert. Verhandelt haben die Stromkonzerne mit dem Bundesfinanzministerium, unterstützt wurden sie vom Kanzleramt. Dies war ein unglaubliches Beispiel erfolgreicher Lobbyarbeit.

Dieser Sieg flog nun den Stromkonzern als Boomerang um die Ohren. Nicht nur die Opposition, auch Vertreter der Koalition fühlten sich hintergangen. Auch am Volk wurde mit diesem Beschluss vorbeiregiert. Kurz darauf gab es im Wendland wieder große Blockadeaktionen bei den Castortransporten. Dem Volk wurde dieser Beschluss als unabdingbare Notwendigkeit verkauft. Das Volk glaubte das nur nicht. Das riss die Anti AKW Bewegung aus ihrem Dornröschenschlaf in das sie nach dem Ausstiegsbeschluss von 2001/2002 gefallen war.

In diese aufgeheizte Stimmung schwappte der Tsunami in Japan wie Öl ins Feuer. Damit war der Ausstieg vom Ausstieg sowohl für die Regierung als auch für die Atomkonzerne ein Pyrrhussieg. Die Wahl in Baden-Württemberg nötigte die Kanzlerin zu einer 180 Grad Wende in diesem Thema. Damit hängte sie jedoch nicht nur die Stromkonzerne sondern auch ihre eigenen Parteifreunde ab. Den Machtverlust im Ländle verhinderte sie damit nicht. Über Nacht haben sich die politischen Rahmenbedingungen selbst für die so mächtigen Stromkonzerne geändert. Nun wurde der Ausstieg derart beschleunigt, dass der ursprünglich mit der Vorgängerregierung übertroffen wurde.

Dass der Ausstieg vom Ausstieg nicht geklappt hat, liegt nicht zuletzt an dem Protest der Anti-Atom Bewegung. So haben die Proteste im Wendland erfolgreich verhindert, dass Regierung und Stromkonzerne die Entsorgungsproblematik verschweigen konnten.

Letzthin ist der Ausstieg aus der Kernenergie nicht einer einsichtigen Frau Merkel, sondern den Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, die für ihn mit Zivilcourage dreißig Jahre kämpften. In einer Demokratie ist es offensichtlich noch möglich, dass der Bürgerwille durchgesetzt wird und wenn es 30 Jahre und 2 Atomkatastrophen dauert.

Montag, 27. Juni 2011

Situation im AKW Calhoun – Zusammenfassung Stand: 27.06.11

Zugegeben, die Informationspolitik des Betreibers Omaha Public Power District (OPPD) ist nicht unbedingt offen zu nennen, aber versuchen wir uns aus den spärlichen Informationen ein Bild zu machen.

Lage:
Fort Calhoun liegt ca. 19 Meilen (ca. 30,57 km) nördlich von Omaha, der größten Stadt im US Bundesstaat Nebraska: Omaha hat ca. 1,8 Mio Einwohner. Das AKW Calhoun liegt (zu) nahe am Missouri.
Derzeitige Situation:
Das AKW ist seit April zur Überprüfung abgeschaltet und wird gerade mit neuen Brennelementen bestückt. Im Juni gab es einen meldepflichtigen Zwischenfall. Es brach ein Feuer in einem Schaltraum aus.
Gestern ist ein provisorischer Damm, der aus einem großen Gummischlauch gefüllt mit Wasser bestand, gebrochen. Dies führte dazu, dass  kurzfristig das AKW vom Stromnetz getrennt wurde. Die Die Notstromgeneratoren übernahmen die Kühlung. Nach Auskunft des Betreibers wurde nach umfangreichen Sicherheitschecks das AKW Calhoun nun wieder mit dem externen Stromnetz verbunden. Quelle Omaha World Herald: http://bit.ly/im6e1p
Nach der gleichen Quelle steht das Wasser am Reaktorgebäude, das für eine Wasserhöhe von 1.014 Fuß (309 m) über Meereshöhe konzipiert ist in Höhe von 1.006 Fuß (306,63 m) es bleiben also noch ca. 2,37 m bis das Wasser in die Reaktorgebäude läuft. Die Scheitelhöhe ist mit 1.008 Fuß oder 307,24 vorhergesagt. Das sind noch 61 cm. Derzeit dringt dort etwas Sickerwasser ein das jedoch problemlos abgepumpt werden kann.
Bis zur Höhe von 309 m ist wohl auch noch die Notstromversorgung, so sie denn wieder benötigt wird, durch die Primärdiesel gesichert. Weitere Notstromgeneratoren stehen in einer Höhe von 315,77 m. Das wären noch ca. 9 m Spielraum.
Gefahren:
Hier wird es dann eher spekulativ. Sicher ist, dass sich eine ganze Menge ausgebrannter Brennelemente im Abklingbecken befinden müssen. Wir wissen auch, dass dort unter keinen Umständen die Kühlung ausfallen darf. Eine Quelle spricht von einer großen Gefährdung, da das Abklingbecken sehr groß sei. http://bit.ly/iGmW4P Hier findet sich auch eine recht neue Luftaufnahme der Anlage.
Sicher ist, dass die Stromversorgung kontinuierlich gewährleistet sein muss, egal wie hoch das Wasser steigt, sonst beginnen sich die Brennstäbe im Abklingbecken zu überhitzen.
Eine weitere Gefahr für die Kühlung besteht darin, dass jedes AKW Frischwasser zur Kühlung benötigt. Sollte dies auch notwendig zur Kühlung des Abklingbeckens sein, droht hier weiteres Ungemach. Das Wasser des Missouri ist sicher ziemlich mit Fremdstoffen belastet. Diese dürfen die Frischwasserzufuhr nicht verstopfen, sonst droht auch hier die Überhitzung des Abklingbeckens.
Insgesamt ist die Nachrichtenlage sehr dürftig. Daher ist es kaum möglich einen Gesamtüberblick über die Lage zu bekommen. Glaubt man den Berichten, besteht derzeit wohl keine akute Gefahr. Da das Hochwasser des Missouri noch mehrere Monate anhalten wird, wird es jedoch weiterhin spannend bleiben, ob eindringendes Sickerwasser nicht doch Schäden anrichtet und ob es möglich ist, die Kühlung über einen so langen Zeitraum zu gewährleisten.

Sonntag, 26. Juni 2011

Sonderparteitag der Grünen in Berlin

Die Grünen verlieren ihr Kernthema.

Auf dem Sonderparteitag der Grünen in Berlin sind die Delegierten dem Leitantrag der Parteispitze gefolgt und stimmten dem Automausstieg bis 2022 zu. Der Antrag der Basis, den Ausstieg 2017 zu fordern, wurde abgelehnt. Diesem Beschluss ging eine sechsstündige, teils leidenschaftlich geführte Diskussion voraus.

Die gesamte Spitze der Grünen zeigte sich kämpferisch und focht leidenschaftlich für die Beschlussvorlage. Jürgen Trittin, nach eigener Aussage „gottlos“, forderte – sehr treffend – „Lasst uns den nächsten Donnerstag zum Gründonnerstag machen.“ Gemeint war damit sicher, dass die Grünen den Ausstieg auch als ihr Verdienst reklamieren sollten.

Dumm nur, dass an Gründonnerstag Jesus verraten wurde. So fühlten sich sicher viele Delegierte der Basis, verraten und verkauft.

Unbestritten sind die Verdienste der Grünen im Kampf gegen die Atomkraft. Sie waren die Partei, die aus der Anti-AKW Bewegung hervorging. Sie boten dem Protest eine gesellschaftliche Plattform und trugen ihn in die Parlamente. Aber sie haben ihr Ziel auch fast erreicht.

Umso mehr schmerzt es die grüne Seele, dass ausgerechnet die Regierung, die noch vor wenigen Monaten den von rot-grün verhandelten Atomkonsens rückgängig gemacht hatte, nun als die Regierung in die Geschichte eingehen wird, die den Atomausstieg umgesetzt hat.

In sofern sind die Beschlüsse, die auf dem Parteitag in Berlin gefällt wurden verständlicher Weise ein bisschen von Allem.  Man möchte sich nicht gegen den Ausstieg 2022 stellen, denn man möchte „dabei“ sein. Andererseits gibt es da ja noch eine Bundestagswahl und daher die Möglichkeit bei einer eventuellen Regierungsbeteiligung den Ausstieg zu beschleunigen.

Und immerhin die Grünen – so die Parteispitze – würden noch gebraucht. Man müsse wachsam sein und die Einhaltung des Ausstieges überwachen und gegen Gorleben müsse man ja nun auch noch sein.

Die Grünen kommen jedoch nicht umhin sich neu zu erfinden. Der Ausstieg ist derzeit abgefrühstückt. Die Mehrheit der Deutschen ist mit dem Erreichten zufrieden, so es denn nicht wieder rückgängig gemacht wird. In sofern hat dieses Thema bei den Grünen noch seine Daseinsberechtigung. Als Kernthema eignet es sich jedoch nicht mehr. Daher sind die Grünen gezwungen sich neu auszurichten, neue wichtige und brennende Themen gibt es genug.

Die Partei hat sich von Anfang an als sehr anpassungsfähig erwiesen. Man rufe sich die ersten Fernsehbilder von Parteitagen mit strickenden Männern oder Turnschuh tragende Minister ins Gedächtnis, undenkbar, dass dort Klaus Töpfer (CDU) als Gastredner aufgetreten wäre. Daher wird es den Grünen auch gelingen sich auf neue Themen auszurichten.

Samstag, 25. Juni 2011

Dossier – Geo Engineering

Oder die Geister, die ich rief…

Was ist Geo Engineering?

Als Geo Engineering werden technische Eingriffe in geochemische oder biogeochemischew Kreisläufe bezeichnet. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Geo-Engineering
Konkret versteht man unter Geo Engineering also künstliche Eingriffe in die Chemie oder Biologie unseres Planeten um z.B. die Klimaerwärmung zu beeinflussen. Hierbei reichen die ernsthaft diskutierten Vorschläge vom Sammeln von CO2 (Sequestrierung), das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht und dem Versenken des Gases im Ozean bzw. der Erdkruste, über das Düngen der Meere zur Anregung des Algenwachstums bis hin zur Ausbringung von Schwefeldioxid in der Stratosphäre.

Viel diskutierte Ideen:

CO2 Sequestrierung:

Idee:
Das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehende CO2 wird aus den Verbrennungsabgasen ausgefiltert und gespeichert. Das so gewonnene Gas soll entweder in der Tiefsee verklappt werden, wo es aufgrund des großen Druckes sich verflüssigen würde oder in geeigneten Gesteinsschichten eingepumpt werden.

Problem:
Bisher ist noch völlig unbekannt, was große Mengen an CO2 in den Meeren für Auswirkungen haben könnten. Weiterhin ist völlig unklar, ob uns das Gas den Gefallen tut und auch dort bleibt.
Bei der Verpressung des Gases in Gesteinsschichten ist es ähnlich wie mit der Endlagerung atomaren Mülls. Man braucht eine Gesteinsschicht, die absolut gasdicht ist und bleibt.

Düngung der Meere:

Idee:
Die Düngung der Meere hätte den Effekt, dass das Algenwachstum angeregt wird. Die Algen würden absterben und auf den Meeresgrund sinken und so das CO2 speichern.

Problem:
Das Alfred Wegner Institut für Meeresbiologie hat durch Versuche herausgefunden, dass der Effekt sehr gering ist, da Lebewesen die Algen fressen bevor sie zum Meeresgrund sinken. Das darin gebundene CO2 wird dann durch ausatmen wieder frei.
Ein weiteres Problem kennen viele Aquarianer, die mit einer CO2 Düngung arbeiten. Die Meerespflanzen produzieren nicht nur am Tag Sauerstoff den sie an das Wasser abgeben, in der Nacht verbrauchen sie auch viel Sauerstoff. So kann es passieren, dass am nächsten Morgen die Fische im schönen grünen Aquarium erstickt sind. Das sollte uns bei Meeresregionen nicht passieren, immerhin sind die Meere mit unsere wichtigsten Nachrungsquellen.

Schwefeldioxid in der Atmosphäre:

Idee:
Durch das Ausbringen von Schwefeldioxid in der Atmosphäre soll das einfallende Sonnenlicht reflektiert werden und so die Klimaerwärmung verringert werden.

Problem:
Bisher ist noch nicht geklärt, ob das Schwefeldioxid noch andere unerwünschte Nebeneffekte hat, außerdem muss das Zeug irgendwann runter. Meines Wissens soll das dann sauren Regen verursachen. Dass die Methode funktioniert hat man nach diversen Vulkanausbrüchen gesehen.

Es gibt noch einige weitere Ideen, z.B. das Installieren von riesigen Sonnensegeln im All etc. Manche sind ziemlich utopisch, andere scheinen durchaus realistisch.

Zusammenfassung:

Allen Methoden ist gemein, dass:

a)      nicht vorhersagbar ist, ob sie funktionieren.
b)      unklar ist, ob es „Nebenwirkungen“ gibt.
c)      die Methoden unumkehrbar sind.

Die Verfahren greifen in höchst sensible Gleichgewichte ein, die nur schwer steuerbar sind. Wir wissen nicht, welche Auswirkungen dies haben kann. Sollten bei einer Methode schwere Begleiterscheinungen auftreten, haben wir keine Möglichkeit diese Veränderungen rückgängig zu machen.

Aktueller Stand der Diskussion:

Derzeit wird in den Medien verstärkt über die Anwendung von Geo Engineering diskutiert. Aktuell setzt sich  der Weltklimarat mit großtechnischen Klimaschutzmaßnahmen (Geo Engineering) auseinander. http://bit.ly/jbkEUc

Befürworter dieser Maßnahmen sehen darin eine Methode die weltweite Klimaerwärmung aufzuhalten, ohne dass der Mensch sein Verhalten grundsätzlich ändern muss. Genau hier setzt die Fundamentalkritik der Gegner an. Geo Engineering setze nicht bei den Ursachen der Klimaerwärmung an, sondern versuche sie nur auszugleichen.

Aufgrund der großen Risiken des Geo Engineering empfiehlt das Umweltbundesamt derzeit nicht den Einsatz solcher Methoden, sondern empfiehlt ein Moratorium. Die Broschüre „Geo Engineering – wirksamer Schutz oder Größenwahn“ gibt einen guten Überblick über die derzeit diskutierten Maßnahmen und den Stand der Diskussion.

Dienstag, 21. Juni 2011

Umwelt – Wälder als CO2 Speicher

Die Idee ist grundsätzlich gut. Bäume binden das Treibhausgas Kohlendioxid, also kann man mit jedem gepflanzten Baum etwas fürs Klima tun. Soweit die Theorie.

Dumm nur, die Praxis sieht anders aus. Forscher berechneten, würde man die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche aufforsten, so wurde man die Klimaerwärmung um 0,45 Grad senken. Berliner Morgenpost - Berlin http://bit.ly/mflqh0 Unser Brot müssten wir allerdings aus Sägemehl backen.

Ohne Zweifel, Bäume speichern eine Menge CO2, allerdings tun sie es langsam, da sie auch langsam wachsen. Interessanterweise wird eine Menge des klimafreundlichen Effektes der CO2 Speicherung durch die Bäume durch einen anderen Effekt wieder zunichte gemacht. Bäume reflektieren viel weniger Sonnenlicht durch ihre vergleichsweise dunklen Blätter als „helle“ Weizenfelder.

Es müssen also andere Wege gesucht werden, den CO2 Eintrag in die Atmosphäre zu reduzieren. Auch eine weitere Idee, die Speicherung in unterirdischen Gaslagern, hat einen Rückschlag erlitten. Sandsteinschichten, die bisher gasdicht galten, entpuppten sich bei näherer Untersuchung als durchlässig. http://bit.ly/m3FZsO

Es wird dem Menschen wohl doch nichts anderes übrig bleiben, als seine Konsumgewohnheiten, d.h. sein Verhalten zu ändern. Das ist jedoch von allen der schwierigste Weg. Wir werden viele lieb gewonnene Angewohnheiten aufgeben oder zumindest verändern müssen sonst erstickt der Mensch an seinem eigenen Dreck.

Dazu ist jedoch eine globale Anstrengung notwendig. Dazu ist auch notwendig, dass die Entwicklung der Schwellenländer nachhaltig und umweltschonend erfolgt, allerdings fürchte ich, dass die Einwohner der Schwellenländer nicht freiwillig auf ihr Auto verzichten werden, nur weil ihre ehemaligen Kolonialherren das so wollen. Wo doch die ehemaligen Kolonialherren nicht bereit sind auf ihr Steak aus industrieller Rindfleischproduktion zu verzichten. Da müssen andere Anreize gesetzt werden.

Sonntag, 19. Juni 2011

Umwelt: Atomausstieg – scheitert die Wende doch noch?



Wie Reuters berichtet, plant die Atomindustrie Verfassungsklage gegen die Energiewende http://bit.ly/mpOveA. Offensichtlich planen die Stromkonzerne, die Atom-Novelle per Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zu Fall zu bringen. Es wird spekuliert, dass die Stromkonzerne auf einen jahrelangen Prozess spekulieren um hinterher milliardenschwere Schadensersatzforderungen zu stellen.

Das Aktiengesetz zwinge die Konzerne dazu, solche Ansprüche zu prüfen, da die Eigentumsrechte der Anteilseigner gewahrt werden müssten sagte ein Insider. Offensichtlich liegen den Stromkonzernen Gutachten vor, die die Chance für eine Klage als relativ gut bewerten.

Eventuell ergeht die Entscheidung des BVG erst in der nächsten Legislaturperiode, dann könnte Fukushima lange genug vorbei sein, und sich die politische Lage soweit geändert haben, dass der Ausstieg vom Ausstieg des Ausstieges möglich wird. Immerhin es hat ja schon einmal geklappt.

Das Vorgehen der Stromkonzerne bietet viel Raum für Spekulationen und zeigt, dass der Atomausstieg noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Die Demonstrationen sind auch nach dem Ausstiegsbeschluss immer noch gerechtfertigt. Der endgültige Atomausstieg ist erst dann sicher, wenn das letzte KKW vom Netz ist und der Rückbau begonnen hat.

Umwelt – Fukushima und kein Ende

Es ist ruhig geworden um Fukushima. Während man in den ersten Wochen den Meldungen aus der Reaktorruine nicht entgehen konnte, wurde es nun ruhig. EHEC und andere Themen beherrschte die Nachrichten in der letzten Zeit und verdrängt die unverminderten Hiobsbotschaften aus Fukushima aus den Schlagzeilen zu Randnotizen.

Man könnte meinen, das Problem sei gelöst, immerhin ist man immerhin schon dabei das Wasser aufzubereiten. Weit gefehlt. Die Reaktoren in Fukushima sind seid dem Erdbeben  außer Kontrolle und müssen extern gekühlt werden um schlimmeres zu vermeiden. Bisher bedeutet das nur, dass man verhindern konnte, dass die radioaktive Schmelze der Brennstäbe sich weiter durch die Ruinen frisst. Das bedeutet nicht, Alles ist unter Kontrolle und schon gar nicht Alles ist gut.

Derzeit wird immer noch von außen Wasser in die Reaktoren gepumpt. Dieses Kühlwasser kommt anscheinend direkt mit hoch radioaktiven Substanzen in Berührung. Dies hat zur Folge, dass radioaktive Stoffe sich in dem Kühlwasser befinden. Derzeit befinden sich 110.000 Tonnen verseuchtes Wasser in den Ruinen. Dort stört es offensichtlich ungemein. Es ist teilweise so radioaktiv, dass mehrere Arbeiter, die vor Wochen aus Versehen in der Brühe standen, mit Verbrennungen in eine Klinik kamen. Das Wasser hindert die Arbeiter am Betreten der Ruine und verzögert so die Arbeiten. Hinzu kommt, dass das Wasser irgendwann ins Meer, oder noch schlimmer ins Grundwasser läuft.

Die Lösung des Problems ist, wieder einen geschlossenen Wasserkreislauf herzustellen. Dazu muss das Wasser gereinigt werden und soll danach wieder zur Kühlung eingesetzt werden. Offensichtlich gibt es dabei Probleme. Eine Filtereinheit habe bereits nach wenigen Stunden die maximale Strahlenhöhe erreicht.

Die gute Nachricht, die Reinigung des Wassers scheint zu funktionieren. Die schlechte ist, offensichtlich ist die radioaktive Belastung viel höher als angenommen. Das kann, wie TEPCO behauptet, davon kommen, dass beim Abpumpen des Wassers radioaktive Sedimente mit angesaugt wurden. Das wäre eine logische Erklärung und die einzige, die den Reinigungsprozess nicht völlig unmöglich macht. Immerhin benötigt es nun mehrere Tage das verstopfte Element zu wechseln. Vorsorglich lies TEPCO verlauten, sollte es nicht binnen einer Woche gelingen, den Reinigungsprozess wieder aufzunehmen, kommt es wieder Kapazitätsproblemen bei der Zwischenlagerung des kontaminierten Wassers.

Sollte es jedoch so sein, dass die Brühe derart hoch verstrahlt ist, dass man sie nicht mehr filtern kann, dann wird es entweder unmöglich die Reaktoren zu kühlen oder das Wasser muss ins Meer abgepumpt werden.

Derzeit bleibt nur zu hoffen, dass es so ist, wie TEPCO vermutet und sie die Reinigung schnellstmöglich wieder in Gang bekommen. Allerdings werden dann die gravierenden Problem kommen, wenn das Wasser weg ist. Dann bleiben in den Kellern der Anlage riesige Mengen radioaktiver Sedimente zurück, die entsorgt werden müssen bevor Menschen dort arbeiten können.

Machen wir uns nichts vor, auch wenn wir hier in den Nachrichten nur noch Randnotizen hören, Fukushima wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Von Kontrolle jedenfalls scheint diese Atomruine noch weit entfernt zu sein.