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Mittwoch, 30. November 2011

Naziterror - eine Gesellschaft versagt

Jahrzehnte hat man, nach dem Motto, „was nicht sein darf, das nicht sein kann“, den latenten Rechtsradikalismus in Deutschland verschwiegen. Jetzt bekommt die Gesellschaft für diese Verhalten die Quittung.


Bundesarchiv, Bild 102-08570 CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de
Waffenfunde 1929: Wie sich die Bilder doch gleichen.
Eines hatten alle Verfassungsschutzberichte der letzten 10 Jahre gemeinsam, die Feststellung, es gäbe keine feststellbaren rechtsradikalen Terrorstrukturen. So klar, wie falsch und doch nicht verwunderlich.



Betrachtet man die jüngere deutsche Geschichte, so wird schnell Klar. Eine wirkliche, sinnvolle Vergangenheitsbewältigung fand in Deutschland nie statt. Nach dem zweiten Weltkrieg stellten die Westmächte fest, die Idee, Deutschland in die Steinzeit zu bomben, war nicht so gut. Immerhin man brauchte es, der Kommunismus drohte. Nachdem also die die Obernazis abgeurteilt waren, ging man daran, Deutschland als Verbündeten wieder aufzubauen.



Dazu griff man auf althergebrachte Strukturen zurück. Flugs entnazifizierte man die Schlüsselfiguren des alten Systems und setzte sie wieder ein. Legislative, Exekutive und Judikative wurden von den gleichen Personen wieder aufgebaut, die vorher im Naziregime willfährig ihren Dienst versahen.



Die Wiedereinsetzung dieser Personen geschah nicht aus freiem Willen, sondern aus purer Notwendigkeit heraus. War doch die deutsche Intelligenz entweder im KZ umgekommen oder dem System verbunden. Der Grund warum aus braunen Massenmördern innerhalb kurzer Zeit lupenreine Demokraten wurden, war nicht der Gesinnungswandel. Es lag in der erstaunlichen Anpassungsfähigkeit dieser Personen.



Deutschland entwickelte sich zum Musterschüler, die Wirtschaft florierte, die Nazis traten nicht in Erscheinung, und wenn, war der Spuk schnell vorbei. Dann kamen die 68er. Eine ganze Generation fragte ihre Eltern, wie sie es mit dem Faschismus hielten. Das war natürlich unangenehm. Aber auch damit kam man gut zu Rande. Den linken Terror bekämpfte das System mit einer Vehemenz, wie eh und je. Und alles war gut.



Da, wie eingangs erwähnt, nicht kein kann, was nicht sein darf, wurde der Rechtsradikalismus in der Öffentlichkeit geleugnet. Deutschland hatte Jahrzehnte keine Probleme mit Rechtsradikalen, obwohl Asylantenheime brannten, Dönerbudenbetreiber hingerichtet wurden und ganze Gegenden als „ausländerfrei“ deklariert wurden.



Und nun so was, die weiße Weste hat einen dicken braunen Fleck bekommen. Nicht verwunderlich. In anderen europäischen Staaten sitzen die Rechtsradikalen im Parlament, sie treten offen auf und haben eine signifikante Anhängerschaft. Nur im geläuterten Deutschland soll Alles anders sein? Wohl kaum!



In aller Offenheit vernetzten sich die braunen Strukturen, ignoriert von Staat und Behörden, unterstützt vom Verfassungsschutz. Die Blindheit unseres Staates geht so weit, dass man zwar in den letzten beiden Jahren 811 Mal Waffen in der Szene fand, sich aber weiter nichts dabei gedacht hat. Immerhin, durchschnittlich mehr als einmal täglich, wurden bei irgendeinem Nazi Waffen gefunden und keiner dachte sich was dabei.



Derzeit geht das Gerücht, selbst ein Mitglied der Mörderbande hätte als V-Frau für den Verfassungsschutz gearbeitet. Das ist, bei aller Zurückhaltung, eine Bankrotterklärung des Verfassungsschutzes.



Werden wir uns endlich der Tatsache bewusst, dass es in Deutschland auch nach dem Dritten Reich und nach der Entnazifizierung rechtsradikales Gedankengut in der Mitte unserer Gesellschaft gibt. Das ist leider normal und, an sich, nicht schlimm. Schlimm ist das Leugnen und die fehlende Bereitschaft sich offen auseinander zu setzen. Schlimm ist die Kapitulation des Staates vor sozialen Problemen, die erst den Raum schaffen für braunes Gedankengut.

Montag, 28. November 2011

Des Castors Kern – das eigentliche Problem der Endlagersuche

Seit Jahrzehnten sind wir in Deutschland auf der Suche nach einem geeigneten Endlager für unseren Atommüll. Dass es nie eine gesellschaftlich akzeptierte Lösung gab, zeigen die Proteste von Gorleben 2011. Auch die neue, „ergebnisoffene“ Endlagersuche wird nur zu einer befriedigenden Lösung kommen, wenn die richtigen Fragestellungen gelöst werden.


By Benedikt.Seidl CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0
Als in Deutschland 1957 der Forschungsreaktor Garching in Betrieb ging, schloss unsere Gesellschaft einen Vertrag. Dieser lautete, unsere Energieprobleme zu lösen und dafür den nachfolgenden Generationen langfristig den Müll zu hinterlassen. Nun ist es zu spät, nun wird eine Lösung für das Endlagerproblem gefunden werden müssen. Wir müssen uns nur noch darum streiten, wie sie aussehen soll.



Das Grundproblem



Bei dem so genannten Atommüll handelt es sich um Materialien, die entweder von sich aus radioaktiv sind, oder mit solchen Stoffen kontaminiert wurden und nicht weiterverwendet werden können. Je nach Art des radioaktiven Materials, wird die Gefährlichkeit des Mülls durch die Halbwertszeit und der Menge der zerfallenden Isotope bestimmt. Im Falle des Atommülls von Gorleben dürfte das Isotop, das am längsten gelagert werden muss, Plutonium 239 sein. Es hat eine Halbwertszeit von ca. 24.110 Jahren. Das bedeutet, nach ca. 24.000 Jahren ist nur noch die Hälfte des ursprünglich eingelagerten Plutoniums vorhanden. Anhand der Menge des Plutoniums kann man nun berechnen, wie lange der Atommüll gelagert werden muss, bis von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Experten schätzen, dass der hochradioaktive Müll, der in Gorleben im Zwischenlager steht, ca. 1 Mio. Jahre gelagert werden muss. Für das Grundproblem ist es derzeit irrelevant, wie lange er gelagert werden muss, da alle diskutierten Zeiträume unsere Vorstellungskraft übersteigen.



Wir suchen einen Ort in Deutschland, an dem wir den Atommüll, sicher vor dem Zugriff Unbefugter, für einen uns nicht vorstellbaren Zeitraum, lagern können.



Dieser Ort, soll einerseits die nachfolgenden Generationen vor der radioaktiven Strahlung schützen und andererseits die nachfolgenden Generationen daran hindern, das enthaltene waffenfähige Material zu entwenden.



Bisherige Herangehensweise



Bisher hat man versucht, das oben beschriebene Grundproblem mit naturwissenschaftlichen Methoden zu lösen. Da man sich in geologisch relevanten Zeiträumen bewegt, suchte man eine geologisch möglichst stabile Gesteinsformation, in die man den Müll verbringen könnte. In Deutschland gibt es drei Alternativen: Salz, Ton und Granit. Bisher galt aus zwei Gründen Salz, als die geeignetste geologische Formation. Salz hat die Eigenschaft, die eingelagerten Behälter fest zu umschließen, sodass es nur mit erheblichem technischen Aufwand möglich ist, diese wieder zu bergen. Der zweite Grund war, große Salzvorkommen lagern in der Nähe der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Das waren einerseits strukturschwache Regionen und andererseits lagen sie schön dicht am Erzfeind. Nach dem Fall der Mauer, sieht das nun wieder ganz anders aus. Andere geeignete Formationen hat man bisher nicht erkundet. Granit gibt es in signifikanter Menge nur in Bayern und nach Einschätzung der dortigen Landesregierung sei der Sockel des Alpenvorlandes viel zu porös um dort Atommüll einzulagern. Ton wiederum gibt es auch in Baden Württemberg. Doch da ist die Erdbebengefahr recht hoch.



Gegen die Einlagerung im Salz sprechen, wie mittlerweile bekannt ist, erhebliche Argumente. Die Einlagerung in das „Versuchsendlager“ Asse hat gezeigt, dass, falls Wasser in den Salzstock eintritt, es das Salz löst und Salzlauge entsteht. Auf wundersame Weise greift diese Salzlauge nun die Behälter an, in denen der Müll lagert. Nun erweist sich auch die Tatsache, dass der Müll nicht rückholbar gelagert wurde, als Nachteil. Das „Versuchsendlager“ wurde Anfang der siebziger Jahre in Betrieb genommen. Die Auswahl geschah nach damaligen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Heute, 40 Jahre später, müssen wir nun dringend lernen, wie man nicht rückholbar gelagerten Atommüll doch zurückholt. Offensichtlich ist die Endlagerung im Salz doch nicht so einfach, wie man dachte.



Wir stehen heute wieder am Anfang bei der Lösung unseres Grundproblems, nämlich den Atommüll „für die Ewigkeit“ sicher zu lagern. Dieses Problem ist mit der Naturwissenschaft nicht zu lösen.



Hätte man im Jahre 1011 einen Weisen gefragt, wie man Müll für die Ewigkeit sicher wegpacken sollte, hätte man nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sicher den Rat bekommen, das Zeug in ein Boot zu packen und über den Rand der Welt hinaus zu segeln. Denn Eines war damals sicher. Die Welt ist eine Scheibe. Und nun suchen wir heute mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Lagerung, die für die nächsten 1 Mio. Jahre sicher ist. - Mit der bisherigen Methode haben wir gerade mal 40 Jahre geschafft.



Des Pudels (Castors) Kern



Das eigentliche Problem ist nicht naturwissenschaftlicher Art, es handelt sich vielmehr um ein philosophisches Problem.



Grundsätzlich haben wir drei Lösungsmöglichkeiten:



  1. Wir vernichten das Zeug, was nach unserem Stand der Technik bedeutet, wir schießen es in die Sonne. Das birgt allerdings einige unverantwortliche Risiken für uns.
  2. Wir packen es so weg, dass nach menschlichem Ermessen keiner dran kommt und vergessen das Zeug.
  3. Wir packen es so weg, dass wir jederzeit dran kommen und arbeiten an einer Lösung.



Dieses Dilemma ist nicht neu, schon Stanislaw Lem, ein Altmeister der Science Fiktion beschäftigte sich damit. Er schlug vor, Blumen zu züchten, die auf radioaktive Strahlung mit Farbveränderung reagieren. Sicher kein abwegigerer Lösungsvorschlag, als die derzeit diskutierten. Vergegenwärtigen wir uns, wir sprechen nicht von 50 oder 100 Jahren, sondern von Jahrzehntausenden.



Das philosophische Grundproblem, das wir haben, ist ein Vertrauensproblem. Vertrauen wir unseren x-fach Urenkeln, dass sie verantwortungsvoll mit unserem Erbe umgehen und nicht in einigen Jahrhunderten vergessen, woraus der Müll besteht, oder vertrauen wir der Naturwissenschaft, dass uns eine Fehleinschätzung, wie die in Asse, nicht noch einmal unterläuft.



Oder anders formuliert, glauben wir daran, dass wir jetzt einen Ort finden, der für alle Zeiten von jeglichem Unbill geschützt ist, oder vertrauen wir unseren Nachfahren.



Für die gesellschaftliche Akzeptanz eines endgültigen Zwischenlagers ist der Glaube an die Unfehlbarkeit der, auf wissenschaftlichen Fakten basierenden Entscheidung, notwendig. Es ist zweifelhaft ob dies erreicht werden kann.



Eine andere Lösung wäre, die transparente Suche nach einem langfristigen Zwischenlager. Die gefundene Lösung muss von einem gesellschaftlichen Kompromiss getragen werden.

UPDATE 28.11.11: Was unbedingte Voraussetzung für eine gelingende, offene Endlagersuche ist, ist, dass man es so nicht macht:


Video ZDF Interview mit Gerd Lüttig

Mittwoch, 23. November 2011

Naziterror in Deutschland

Zehn Menschen mussten sterben, bis der deutsche Staat endlich eine Terrorgefahr von Rechts erkennt. Während die Politik sich nun in blindem Aktionismus übt, bleibt zu bezweifeln, ob das Übel an der Wurzel gepackt werden kann.



Fahndungsaufruf aus den neunziger Jahren
Was zunächst als einfacher Bankraub aussah, entpuppte sich kurz darauf als größter Skandal der jüngeren deutschen Justizgeschichte.



Der Nationalsozialistische Untergrund



Bereits vor 1998 gründeten drei Mittzwanziger aus Thüringen eine Vereinigung mit Namen Nationalsozialistischer Untergrund(NSU), mit dem Zweck "vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten". Im Gleichen Jahr schaffte es die Gruppierung im thüringischen Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden. Die drei Thüringer waren Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Es gelang Ihnen, sich nach einer Razzia, bei der mehrere Rohrbomben, ein beachtliches Waffenarsenal und 1,4 kg TNT entdeckt wurden, abzusetzen und fortan 13 Jahre unerkannt in Deutschland zu leben und zu morden.



Das Trio tauchte lediglich 70 km von Jena entfernt, in Zwickau, unter und zog von 2000 bis 2007 eine blutige Spur von 10 Morden durch Deutschland. Das Alles gelang den Drei, obwohl sie zum Zeitpunkt des Untertauchens unter der Überwachung des Verfassungsschutz standen. Über all die Jahre hatte das Trio immer noch Kontakte, in die von V-Leuten durchzogene Neonazi Szene.



Da nicht sein kann, was nicht sein darf!



Erst kürzlich stellte Innenminister Friedrich den Verfassungsschutzbericht 2010 vor, der so konsequent, wie falsch feststellte, dass in Deutschland keine terroristischen Strukturen in der rechten Szene feststellbar seien. Die gleiche Feststellung in jedem Bericht der letzten 10 Jahre. Etwas Anderes durfte ja auch nicht sein, wie sollte sonst der massive Einsatz von V-Leuten in der rechten Szene erklärt werden.



Folgerichtig machten die Ermittlungsbehörden bei den so genannten Dönermorden sich nicht die Mühe, überhaupt in diese Richtung zu ermitteln. Lieber wurden die Angehörigen der Opfer unter Generalverdacht gestellt. Da rechter Terror in unserem Land nicht vorkommt, wurde der Täter in den Reihen der Opfer selbst gesucht und, zum Glück, nicht gefunden.



Nun lassen sich dummerweise Böhnhardt und Mundlos bei ihrem dreizehnten Banküberfall erwischen und richten sich selbst mit den Tatwaffen aus einem Polizistenmord in Heilbronn. Damit haben sie die deutschen Behörden mal eben bis auf die Knochen blamiert.



Es besteht Klärungsbedarf



Dem gemeinen Staatsbürger drängen sich spontan einige Fragen auf:



Wie kann es sein, dass drei Personen, die unter der Überwachung des Verfassungsschutzes stehen, mal eben so untertauchen können, nachdem ihr Waffenarsenal ausgehoben wurde? Wie kann es sein, dass sie dazu nur über die nächste Landesgrenze fahren mussten?



Der naive Staatsbürger dachte eigentlich, dass Sprengstoff- und Waffenfunde ausreichen sollten, um die Besitzer zu verhaften.



Merkwürdig ist auch, warum sich nun ehemalige V-Leute melden, die schon Ende der neunziger Jahre vor einer Braunen Armee Fraktion gewarnt haben und nicht ernst genommen wurden. Wozu bezahlt man die dann?



Reaktionen



Ein ungeheuerlicher Skandal aus, bestenfalls, Inkompetenz, Ignoranz und Faulheit tut sich auf. Und das ist nur die positive Lesart. Böswillige Zeitgenossen unterstellen dem deutschen Behörden eine stark fortgeschrittene Sehschwäche auf dem rechten Auge.



Und die Politik reagiert wie immer. Blinder Aktionismus, populistische Forderungen und die Schuldigen suchen.



Nachdem die Angehörigen der Opfer der Dönermorde fast ein Jahrzehnt kriminalisiert wurden, gibt sich nun die politische Prominenz die Klinke in die Hand. Der Bundestag entschuldigt sich für die falschen Verdächtigungen und die unerträglichen Pannen. Die Regierung versucht sich mit 10.000 Euro pro Totem freizukaufen.



Und sonst? Schnell wurde der Ruf nach einer Erweiterung der Kompetenzen der Anti-Terror Behörde in Berlin laut. Wohl wissend, dass die genug Kompetenzen hat, nur für rechten Terror sich nicht zuständig wähnte. Wir erinnern uns, der Verfassungsschutzbericht stellte ja auch fest, es gibt keinen rechten Terror.



Und der Ruf nach einem Verbot der NPD wird wieder lauter, obwohl alle Beteiligten wissen, so lange ein großer Anteil der NPD-Führung aus V-Leuten besteht, ist an ein solches Verbot nicht zu denken. Der Staat müsse sich aus der NPD zurückziehen. Wer wolle das Risiko denn eingehen, eine NPD ohne V-Leute, wurde gefragt. Da sei, doch folgende Frage erlaubt: Kanns denn überhaupt noch schlimmer werden?



Hinzu kommt, dass mit einem Verbot der NPD das Problem beseitigt wird. Radikalismus bekämpft man nicht durch Verbote, Radikalismus bekämpft man mit den besseren Argumenten. Wenn es möglich ist, dass sich eine rechte Terrorzelle über Jahre im Untergrund mitten in Deutschland bewegen konnte, dann konnte dies nur mit einer breiten Unterstützung aus der Bevölkerung geschehen. Und das bedeutet im Umkehrschluss das braune Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.



Und nun, was tun?



Wenn Kanzlerin Angela Merkel am 23. November 2011 feststellt, dass die Neonazi Mordserie ein Anschlag auf die deutsche Demokratie ist, dann hat sie damit zweifelsohne recht. Wenn allerdings die Konsequenz aus dieser Feststellung ist, weiter zu machen, wie bisher, dann ist dies traurig.



Die Verantwortung für den braunen Terror trägt die Politik. Wer sich damit abfindet, dass ganze Regionen in Deutschland verarmen und veröden, der muss sich nicht wundern, wenn die Menschen dort ihr Heil im extremistischen Gedankengut suchen. Wenn es der NPD möglich ist, mit einem Kinderfest in Stralsund auf Stimmenfang zu gehen, dann muss sich die Politik vorwerfen lassen, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Dann die NPD zu verbieten, ist zu kurz gegriffen.



Es gibt in Deutschland Gegenden, da hat sich der Bürger vom Staat entfernt. Das hat er aber nur gemacht, weil der Staat ihm im Regen stehen lies. Also bitte lieber Staat, bewege dich auf deine Bürger zu. Das ist dein Job!

Samstag, 9. Juli 2011

Geboren am 09. Juli – Der Süd Sudan ist unabhängig

Flagge des Südsudan
Die Welt hat einen Staat mehr. Der 54. Staat Afrikas ist der Süd Sudan, der heute seine Unabhängigkeit feiert.

Fällt der Name Sudan, denken wir zunächst an karges Land, Dürre, Hunger und nicht zuletzt an den Völkermord in Dafour. Kommt man jedoch in den Südsudan sieht man allenthalben grünes, bewirtschaftetes Land und Baustellen.

Die Gebiete des Südsudan fielen während der türkisch-ägyptischen Herrschaft ab 1821 in den Einflussbereich des heutigen Sudan. 1947 wurde auf der Juba-Konferenz beschlossen, dass der Südsudan Teil des Sudan unter der Führung des Nordens bleiben solle. Die Menschen des Südsudan waren an dieser Entscheidung nicht beteiligt. Während der Norden muslimisch dominiert ist, ist der Süden eher christlich dominiert. So kam es nach der Unabhängigkeit von England 1956 zu Spannungen, die sich von 1956 bis 1972 und ab 1983 in blutigen Bürgerkriegen entluden.

Seit 2005 ist der Südsudan autonome Provinz und es herrscht einigermaßen Frieden. Es kam zwar immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Truppen des Nordens und des Südens, die sich jedoch nicht zu einem Krieg auswuchsen. Entsprechend des Friedensabkommens wurde vom 09. bis 15. Januar 2011 ein Unabhängigkeitsreferendum durchgeführt in dem sich eine überwältigende Mehrheit der Südsudanesen (99%) für die Unabhängigkeit aussprach.

Der Südsudan wurde ehedem als Brotkorb Afrikas bezeichnet. Während des Bürgerkrieges wurde die Landwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Bevölkerung hungerte. Diese hat sich in den Jahren des Friedens wieder erholt. Dennoch sind vor allem Flüchtlinge aus dem Norden noch immer auf Lebensmittel angewiesen.

Der Südsudan ist zudem reich an Bodenschätzen. Ein Großteil der Bodenschätze des Sudan liegen auf dem Gebiet des Südsudan. Insbesondere Öl kommt in großen Mengen vor.

Insgesamt hat der neue Staat Südsudan ein erstaunliches Potential. Hierin sind sich Experten einig. Allerdings liegt in diesem Potential auch die größte Gefahr für den noch jungen Staat. Der extreme Reichtum weckt interne wie externe Begehrlichkeiten. Nicht umsonst wurde der neue Staat so schnell von so vielen Staaten anerkannt.

Die Erwartungen an die Regierung des Südsudan sind immens. Einerseits ist das Land keinesfalls geeint. In der Zeit der Autonomie kam es immer wieder zu Unruhen und Kämpfen zwischen verfeindeten Stammesfürsten. Teilweise waren diese Unruhen von außen gesteuert um die Gegend zu destabilisieren. Diese Stammesfürsten wollen natürlich am Reichtum des Südsudan partizipieren. Auch die Bevölkerung möchte nach Jahrzehnten des Krieges und des Hungers nun endlich auch am Reichtum an Bodenschätzen teilhaben.

Andererseits sind da auch noch die anderen Staaten, allen voran der Sudan, der bitterarm ist und auf die Bodenschätze des Südens angewiesen ist. Hinzu kommt dass das Land über keinen eigenen Hafen verfügt, der notwendig wäre um die Bodenschätze zu exportieren. So ist der Südsudan beim Ausbeuten seiner Bodenschätze auf das Wohlwollen der Nachbarn abgewiesen. Nun sind die direkten Nachbarn: Zentralafrikanische Republik, Kongo, Uganda, Kenia und Äthiopien nun auch nicht gerade bekannt für Stabilität und Verlässlichkeit.

Urheber: NordNordWest/Wikipedia Originaldatei Lizenzvertag
Daher sehen einige Experten ein großes Risiko eines neuen Krieges in der Region. Die Gründung des neuen Staates hat die Explosivität des Pulverfasses dieser Region nicht vermindert. Im Gegenteil, das Gemisch aus ethnischen Ressentiments, religiösen Gegensätzen, Habgier und Neid ist instabiler den je und wartet nur auf einen zündenden Funken. Hoffen wir, dass er ausbleibt.

Quellen:

Samstag, 25. Juni 2011

Dossier – Geo Engineering

Oder die Geister, die ich rief…

Was ist Geo Engineering?

Als Geo Engineering werden technische Eingriffe in geochemische oder biogeochemischew Kreisläufe bezeichnet. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Geo-Engineering
Konkret versteht man unter Geo Engineering also künstliche Eingriffe in die Chemie oder Biologie unseres Planeten um z.B. die Klimaerwärmung zu beeinflussen. Hierbei reichen die ernsthaft diskutierten Vorschläge vom Sammeln von CO2 (Sequestrierung), das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht und dem Versenken des Gases im Ozean bzw. der Erdkruste, über das Düngen der Meere zur Anregung des Algenwachstums bis hin zur Ausbringung von Schwefeldioxid in der Stratosphäre.

Viel diskutierte Ideen:

CO2 Sequestrierung:

Idee:
Das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehende CO2 wird aus den Verbrennungsabgasen ausgefiltert und gespeichert. Das so gewonnene Gas soll entweder in der Tiefsee verklappt werden, wo es aufgrund des großen Druckes sich verflüssigen würde oder in geeigneten Gesteinsschichten eingepumpt werden.

Problem:
Bisher ist noch völlig unbekannt, was große Mengen an CO2 in den Meeren für Auswirkungen haben könnten. Weiterhin ist völlig unklar, ob uns das Gas den Gefallen tut und auch dort bleibt.
Bei der Verpressung des Gases in Gesteinsschichten ist es ähnlich wie mit der Endlagerung atomaren Mülls. Man braucht eine Gesteinsschicht, die absolut gasdicht ist und bleibt.

Düngung der Meere:

Idee:
Die Düngung der Meere hätte den Effekt, dass das Algenwachstum angeregt wird. Die Algen würden absterben und auf den Meeresgrund sinken und so das CO2 speichern.

Problem:
Das Alfred Wegner Institut für Meeresbiologie hat durch Versuche herausgefunden, dass der Effekt sehr gering ist, da Lebewesen die Algen fressen bevor sie zum Meeresgrund sinken. Das darin gebundene CO2 wird dann durch ausatmen wieder frei.
Ein weiteres Problem kennen viele Aquarianer, die mit einer CO2 Düngung arbeiten. Die Meerespflanzen produzieren nicht nur am Tag Sauerstoff den sie an das Wasser abgeben, in der Nacht verbrauchen sie auch viel Sauerstoff. So kann es passieren, dass am nächsten Morgen die Fische im schönen grünen Aquarium erstickt sind. Das sollte uns bei Meeresregionen nicht passieren, immerhin sind die Meere mit unsere wichtigsten Nachrungsquellen.

Schwefeldioxid in der Atmosphäre:

Idee:
Durch das Ausbringen von Schwefeldioxid in der Atmosphäre soll das einfallende Sonnenlicht reflektiert werden und so die Klimaerwärmung verringert werden.

Problem:
Bisher ist noch nicht geklärt, ob das Schwefeldioxid noch andere unerwünschte Nebeneffekte hat, außerdem muss das Zeug irgendwann runter. Meines Wissens soll das dann sauren Regen verursachen. Dass die Methode funktioniert hat man nach diversen Vulkanausbrüchen gesehen.

Es gibt noch einige weitere Ideen, z.B. das Installieren von riesigen Sonnensegeln im All etc. Manche sind ziemlich utopisch, andere scheinen durchaus realistisch.

Zusammenfassung:

Allen Methoden ist gemein, dass:

a)      nicht vorhersagbar ist, ob sie funktionieren.
b)      unklar ist, ob es „Nebenwirkungen“ gibt.
c)      die Methoden unumkehrbar sind.

Die Verfahren greifen in höchst sensible Gleichgewichte ein, die nur schwer steuerbar sind. Wir wissen nicht, welche Auswirkungen dies haben kann. Sollten bei einer Methode schwere Begleiterscheinungen auftreten, haben wir keine Möglichkeit diese Veränderungen rückgängig zu machen.

Aktueller Stand der Diskussion:

Derzeit wird in den Medien verstärkt über die Anwendung von Geo Engineering diskutiert. Aktuell setzt sich  der Weltklimarat mit großtechnischen Klimaschutzmaßnahmen (Geo Engineering) auseinander. http://bit.ly/jbkEUc

Befürworter dieser Maßnahmen sehen darin eine Methode die weltweite Klimaerwärmung aufzuhalten, ohne dass der Mensch sein Verhalten grundsätzlich ändern muss. Genau hier setzt die Fundamentalkritik der Gegner an. Geo Engineering setze nicht bei den Ursachen der Klimaerwärmung an, sondern versuche sie nur auszugleichen.

Aufgrund der großen Risiken des Geo Engineering empfiehlt das Umweltbundesamt derzeit nicht den Einsatz solcher Methoden, sondern empfiehlt ein Moratorium. Die Broschüre „Geo Engineering – wirksamer Schutz oder Größenwahn“ gibt einen guten Überblick über die derzeit diskutierten Maßnahmen und den Stand der Diskussion.